Reit- und Fahrverein Hoisbüttel e.V.

 

 

Kurz vor dem 50jährigen Jubiläumsturnier 1975 traf den Verein die erste Katastrophe mit der Zerstörung des Richterturmes und später ging die Scheune mit dem gesamten Hindernismaterial durch Brandstiftung verloren.


Trotzdem wurde das Turnier pünktlich gestartet, Nachbarvereine halfen mit Hindernissen aus. Es wurde eine Großveranstaltung die in die Geschichte des Vereins einging. Ehrengäste aus Land Kreis und Gemeinde erschienen. Überwältigend war der Einmarsch von 15 Reitabteilungen mit ihren Standarten sowie 22 zum Wettkampft angetretenen Voltigiergruppen. Auch Gespanne fehlten nicht. 1977 wurde unsere Vereinszeitschrift „Kurier“ aus der Taufe gehoben. Sie erscheint seitdem jährlich 4-mal und informiert die Mitglieder über alles Wissenswerte auf dem Gebiet der Reiterei und besonders über das Vereinsgeschehen.   

Unsere Vereinsturniere wurden von Jahr zu Jahr größer und attraktiver und bei anderen Reitvereinen immer beliebter. 750 Pferde gingen 1980 zur 30. Pferdeleistungsschau an den Start.  

Der Reit- und Fahrverein Hoisbüttel e.V. trug 1982 dazu bei' dass die Gemeinde Ammersbek, zu der zwischenzeitlich auch Hoisbüttel gehörte zur ,,sportlichen Gemeinde" gekürt wurde. Deshalb enthält das Gemeindewappen ein Hufeisen als Referenz an die pferdebegeisterten Einwohner.  

Dann kam der Tiefschlag für den Verein. 1983 wurde der Pachtvertrag für die Reitsportanlage am Hoisbütteler Bahnhof von der Erbengemeinschaft Harten gekündigt und machte uns vorerst heimatlos. Es wurde noch ein Abschiedsturnier ausgerichtet, an dem das Fernsehen, Derbysieger, Nationen- und Weltcupreiter teilnahmen Reitabteilungen, Gespanne, Voltigiergruppen gingen an den Start und der Hamburger Schleppjagdverein mit seiner Meute kamen in alter Verbundenheit.

Fallschirmspringer umrahmten das Programm und beim ,,Halali" der Jagdbläser wurden die Flaggen in respektvoller Andacht eingeholt. Der große Platz reichte kaum für diese Abschiedsgala aus.  

Es waren 53 Jahre, die der Verein hier sein Domizil hatte und wo beachtliche Leistungen und Erfolge erzielt wurden. Der Verein hatte sich über die Grenzen des Kreises und Landes hinweg Anerkennung verschafft.  

Die Gemeinde und besonders der Hoisbütteler Sportverein halfen uns bei der Suche nach einem neuen Standort für den Verein. Dieser wurde am Volksdorfer Weg im Ortsteil Hoisbüttel in der Größe von 4 ha gefunden. Unser Verein erhielt einen fairen und würdigen Pachtvertrag von der Gemeinde Ammersbek und so konnten wir, wie so oft in früheren Jahren, die Ärmel hochkrempeln und mit dem Ausbau einer neuen Reitanlage beginnen.  

1985 war es möglich, das 60jährige Vereinsbestehen mit einem Festakt unter großer Anteilnahme der Gemeinde, des Kreises, des Landes und vieler befreundeter Reitvereine zu begehen.

Gleichzeitig feierte der Hoisbütteler Sportverein mit uns, der sein 30jähriges Vereinsjubiläum beging.

Nach diesem Jubiläum begann der große Ausbau der etwas beengten Fläche. Unter Führung unseres enorm fähigen ,,Finanzchefs" Ernst Nedebock und unseres Platzwartes -Günter Joel wurde für mehrere 100.000 DM in den Jahren 1986/87 unter größtem Einsatz und der Mithilfe des Vorstandes und vieler Mitglieder eine Reitanlage erstellt, die in Schleswig-Holstein ihres Gleichen sucht. Die Dressur-, Spring- und Abreiteplätze sind selbst bei schwierigsten Witterungsbedingungen ganzjährig bereitbar, so dass in den nachfolgenden Jahren kein Turnier wegen schlechter Bodenverhältnisse abgesagt werden musste. 

Das Projekt wurde finanziell durch Mittel des Landes, Kreises und des Bundes unterstützt. So konnte 1989 die Reitanlage mit einem großen Turnier eingeweiht werden. Die Verantwortlichen und die Helfer waren danach glücklich und zufrieden, aber auch restlos erschöpft. In den nachfolgenden Jahren wurden die Aktivitäten wie mit der Ausbildung der Jugendlichen, mit Kursen auf verschiedenen Gebieten, mit Reitjagden und mit jährlich 3 Turnieren fortgesetzt. Die wunderschöne Reitanlage entwickelte ihr eigenes Flair.   

1995 wurde das 70jährige Jubiläum gefeiert und danach verstarb unser verehrter, langjähriger Vorsitzende Günter Stut. Er hat das Vereinsgeschehen von 1962 bis 1987 mitgeprägt und mitbestimmt, so dass durch ihn Vereinsgeschichte geschrieben worden ist. Seine Leistungen waren einmalig und aufopfernd. Deshalb hat der Verein ihm 1996 einen Gedenkstein an einem geeigneten Platz auf der Reitanlage erstellt, um ihn zu ehren und seiner zu gedenken.  

Das nächste Ziel des Vereins war die Erstellung einer Ovalbahn für die lslandpferdereiter. Sponsoren wie Ernst Nedebock haben es möglich gemacht. Es wurden weiterhin Richter- und Bewirtungswagen angeschafft und eine Meldestelle ausgebaut.   

Nicht nur lslandpferdereiter haben sich in unserem Verein etabliert sondern auch Westernreiter sind zu uns gekommen und beide Sparten nutzen die schöne Reitanlage zum Training, für Kurse und eigene Turniere.   

Auf die mitgliederstärkste Gruppe unseres Vereins muss hier nochmals näher eingegangen werden, denn sie hat unseren Verein nicht nur auf Orts-, Kreis- und Landesebene vertreten, sondern auch auf Bundesebene sowie auf internationalen Turnieren, wie z.B. durch Turniergruppen in Österreich, Dänemark, Slowakei, Ungarn und Schweden und durch Einzelvoltigierer zusätzlich in ltalien, Frankreich, Argentinien und Brasilien. lnes und Ruth Jückstock sind durch ihre Leistungen besonders zu erwähnen. Die Voltigierabteilung hat zurzeit einen Mitgliederbestand von 139 Voltigierern, die in 5 Turnier- und 6 Anfänger- und Spielgruppen sowie als Einzel- und Duovoltigierer diesen Sport betreiben.   

Es stehen diesen Voltigierern 5 vereinseigen Pferde zur Verfügung, die einen unterschiedlichen Ausbildungsstand aufweisen.   

Die Ausbildung wird nach Liselotte Schäfer, Kati Vogt, Peter Wetzel und seiner Asistentin Kristine Jahn jetzt vorbildlich von Ruth und lnes Jückstock geleitet, die von ihren Eltern in jeder Weise unterstützt werden.  

ln den Jahren seit 1974 wurden wiederholt Platzierungen und viele Landesmeisterschaften gewonnen, die die Teilnahme an Deutschen Meisterschaften nach sich zogen.

lnes Jückstock war und ist auch noch im Einzelvoltigieren mit Ruth Jückstock als Longenführerin sehr erfolgreich. Sie waren 9 mal Landesmeister, mehrlache hoch-platzierte Teilnehmer an Deutschen Meisterschaften und 1999 Deutsche Meisterin auf dem Turnier in Aachen. Ebenso konnten sie mehrere internationale Turniere u.a. in Malmö und Saumur für sich entscheiden. 1996 und 1998 krönten sie ihre Erfolge mit dem 5. Platz in der Weltmeisterschaft sowie 1995 und 1997 mit der Bronzemedaille bei den Europameisterschaften.  

lnes nahm 1995, 1996 und 1998 an der Wahl der ,,Sportlerin des Jahres" teil, die vom Kreissportverband Stormarn und der Presse initiiert wurde. Sie erreichte jedes Mal den 3. Platz. Die mehrfach organisierten Voltigierturniere im Stall Heino Kracht erfreuten sich ungeheurer Anziehungskraft, waren doch 35 bis 40 Einzelvoltigierer und ebenso viele Gruppen am Start. Die Teilnehmer kamen aus ganz Norddeutschland und Dänemark. Dies beweist die Attraktivität  unseres Voltigiersportes in Hoisbüttel. Es bestehen zurzeit für Voltigierer lange Wartelisten für lnteressierte.   

Zum Schluss sollte nicht vergessen werden, dass es im Reit- und Fahrverein Hoisbüttel e.V auch Pferdezüchter gab und zum Teil noch gibt. So züchteten die Familien Kracht und Ewald Schulz Holsteiner Nachwuchs, Heino Lorenzen Trakehner.

Günter Stut gelang es u.a. einen bekannten Trakehner-Hengst zu züchten. Peter Wetzl und Lieselotte Schäfer sorgten mit ihren Stuten für Nachwuchs des Hannoverschen Zuchtverbandes.  

Das Jahr 2000 ist nun das Jahr des 75jährigen Vereinsbestehens. ln dieser langen Vereinsgeschichte gab es sowohl Höhepunkte als auch teilweise schwere Tiefschläge, die aber immer in gemeinschaftlicher Arbeit überwunden werden konnten.   

Es soll allen gedankt werden, die am Erfolg unseres Vereins bisher mitgearbeitet haben. Danken wollen wir im Voraus auch denen, die die Zukunft des Vereins gestalten und bereit sind, die erfolgreiche Arbeit der zurückliegenden 75 Jahre zum Wohle der uns anvertrauten Jugend in unserem Verein fortzusetzen. Der Dank gilt auch unseren Pferden, die uns treu begleiten und ohne die wir unseren herrlichen Sport nicht ausüben könnten.   

Liselotte Schäfer